Allgemeine Informationen über den Prozeß der Latexherstellung Teil IV
Matratzenmanufaktur boyboks in Oberursel
 

Das Problem des Alterungsprozesses

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Die ungesättigten Gruppen im Kautschuk, die durch ihre Reaktionsfahigkeit mit Schwefel einerseits die Vulkanisation ermöglichen, bedingen andererseits eine Empfindlichkeit gegen Sauerstoff, Ozon und anderen reaktionsfähigen Substanzen. Da Weichgummi auf Basis von Dienkautschuken nach der Vulkanisation noch über ungesättigte Gruppen verfügt, bleibt er gegen die genannten Faktoren empfindlich. Je höher die Temperatur, desto stärker werden die Einflüsse bemerkbar, z. B. durch Verhärtung und Versprödung.

Die Reihe von Alterungsprozessen können durch folgende Einflüsse hervorgerufen werden:
a) Sauerstoff bei verschiedenen Temperaturen
b) Sauerstoff in Kombination mit bestimmten Schwermetallen (z. B. Spuren von Kupfer oder Mangan)
c) Hitze und Feuchtigkeit

Diese drei Schädigungen ergreifen das gesamte Volumen des Produkts!
Sauerstoff führt bei Naturlatex zuerst zur Erweichung des Materials durch Kernspaltung. Mit fortschreitender Reaktion tritt dagegen durch engere Vernetzung eine Verhärtung ein, das Material wird hart, spröde und thermoplastisch. Bei Styrol-Butadien Kautschuk beginnt die Alterung gleich mit der 2. Reaktion.
Schwermetalle beschleunigen die Sauerstoffalterung bei Naturlatex wesentlich stärker als bei Syntheselatex.

Bei der Hitzealterung kann neben der Oxydation ein thermischer Abbau von Vernetzungsstellen stattfinden.
d) dynamische Beanspruchung (Ermüdung)
e) Ozon
f) energiereiches Licht in Kombination mit Sauerstoff
Diese Punkte greifen vor allem die Oberfläche an!

Bei beständigen mechanischen Spannungsveränderungen des Gummis treten an der Oberfläche allmählich Risse auf, die sich vergrößern und schließlich zum Bruch des Materials führen. Naturlatex bildet diese Risse relativ schnell, sie wachsen aber nur langsam weiter, demgegenüber zeigt Styrol-Butadien ein späteres Einsetzen der Rissbildung, gefolgt von einem schnelleren Wachstum. Dieses Verhalten ist ein Hinweis, dass es sinnvoll ist, Naturlatex mit Styrol-Butadien-Latex zu versetzen, um die negativen Eigenschaften bezüglich der Rissbildung zu kompensieren.

Die Ozoneinwirkung bewirkt ebenfalls eine Rissbildung. Hierbei findet statisch ein entprechender Prozeß wie bei mechanischer Belastung statt, allein bedingt durch das in der Atmosphäre vorkommende Ozon.

Auch durch energiereiches Licht findet eine Zerstörung der Oberfläche statt. Durch netzartig verbundene Rillen bekommt die Latexoberfläche das Aussehen einer Apfelsine oder Elefantenhaut.

Verfärbende Alterungsschutzmittel mit Ermüdungs- und Ozonschutzwirkung:
Es gibt leider kein Alterungsschutzmittel, das gegen die genannten Alterungsprozesse gleichzeitig maximalen Schutz gewährt. In der Regel sind stark verfärbende Mittel wirksamer als nicht verfärbende. Die wirksamsten Verbindungen dafür sind die am Stickstoff substituierte p-Phenylendiamine. Sie erhöhen die kritische Energie, die zur Bildung von Ozon- und Ermüdungsrissen notwendig ist. Das derzeit gebräuchlichste Mittel ist das schwach verfärbende N-Isopropyl-N'-phenyl-p-phenylendiamin (IPPD), das sich sehr wirksam gegen statische (Ozon) und gegen dynamische Rissbildungen erweist.

Diese Alterungsschutzmittel haben notwendigerweise eine gewisse Mobilität bzw. Flüchtigkeit, um ihre Schutzfunktionen ausüben zu können. Sie können daher auch an die Oberfläche des Materials gelangen. Das IIPPD wirkt schwer hautreizend und toxisch und ist deswegen im Lebensmittelbereich nicht zugelassen.

Neben den n-Phenylendiaminen kommen noch 2,4,6-substituierte Phenole in Einsatz, die vor allem Schutz gegen Sauerstoff und Wärme bieten, nicht aber gegen statische und dynamische Belastungen. Phenole wirken in der Regel hautreizend und toxisch. Sie sind außerdem oft mutagen.

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