Kaltschaummatratzen werden seit geraumer Zeit sehr massiv
von der Industrie beworben und dabei als das „ non plus ultra“ der
Matratzenentwicklung dargestellt. Viele Bettenhäuser und Matratzencenter
haben sich diese Aussagen vorbehaltlos angeschlossen und posaunen in die gleiche
Richtung.
Selbst Prof. Hademar Bankhofer, dem sympathischen Gesundheitsguru des Morgenmagazins
(ARD) fällt nichts Besseres ein, als die Standardlitanei aus dem Kölner
Bettenhaus wiederzugeben, in dem Sendung aufgenommen wurde.
Kaltschaum als Polsterkern für Matratzen scheint nun
endgültig den schlechten Ruf der alten Schaumstoffmatratzen abgeworfen zu
haben und tritt als Phönix und Jungbrunnen aus der Asche. Dabei wird übersehen,
dass Kaltschaum nichts anderes als Polyurethanschaum ist,
der mit geändertem Verfahren geschäumt wird. Die hochgiftigen Isocyanate
bleiben weiterhin Grundvorausssetzung des Produktionsprozesses. Aber das ist
hier nicht die Frage.
Uns hat vielmehr interessiert, was denn nun so anders am Kaltschaum
sein soll gegenüber dem herkömmlich gefertigten Polyurethan-Weichschaum.
Wenn man die Publikationen von den Kaltschaum-Anbietern wie Metzeler, Recticel
und Dunlopillo dazu durchgeht, hat man das Gefühl, dass diese ihren neuen
Produkten selbst nicht so recht trauen, denn es lassen sich keine vergleichende
Untersuchungen finden, keine Messergebnisse und auch keine Belastungsdiagramme.
Wenn die Kaltschäume wirklich so herausragend sind, wäre es doch selbstredend
und auch ganz einfach, Belege dafür vorzulegen.
Stattdessen wird nur von revolutionären Entwicklungen geschrieben, von Offenporigkeit,
von ungleichmäßiger Porenstruktur und Ähnlichem mehr. Und zur
Beschreibung der Wirkungen der Kaltschäume (wie Rubex, Bültex oder
Coltex) in den Matratzen werden die üblichen Allgemeinheiten verbreitet,
wie „atmungsaktiv“, „orthopädisch“, „perfekter
Komfort“, also alles relative und durchaus bekannte Begriffe, wie sie auch
für andere Matratzen verwendet werden.
An harten Fakten bleibt, dass der Kaltschaum ungleichmäßige
Poren besitzt, dass er eine gleichmäßigere Härte besitzt und
dass er mit höherer Stauchhärte*
hergestellt werden kann, welche aber in diesem Ausmaß für Matratzen
gar nicht benötigt wird.
Die vollmundig verkündete einzigartige Offenporigkeit wird allerdings nur
durch das mechanische Zusammenpressen des Schaumes erreicht, wobei die Poren
schließlich aufplatzen. Konventionell geschäumte Matratzenkerne sind
dagegen schon durch den Schäumungsprozess offenporig und im allgemeinen
auch von der Lebensdauer dem Kaltschaum überlegen, da dieser nicht sonderlich
wasser- und hitzebeständig ist und auch auch keine Dampfsterilisierung im
Autoklaven erlaubt (es sei denn, man verwendet bei der Herstellung besonders
aufwendige und teure Rezepturen).
Bei den Preisungen des Kaltschaumes wird außerdem übersehen,
dass sich dabei nur um den Polsterkern der Matratzen handelt, die Auflagen oberhalb
des Schaumkernes spielen in dieser Botschaft eine untergeordnete Rolle, Hauptsache
Kaltschaum.
Dabei ist es für die Dampfaufnahme und für die klimatischen Eigenschaften
in der Betthöhle entscheidend, mit welchen Fasern sich der Mensch umgibt
(wie an anderen Stellen unserer Webseite ausführlich beschrieben).
Wenn es wirklich nur um die bloße Luftdurchgängigkeit und um das Gewicht
des Matratzenkernes ginge, dann wäre jede einfache Federkernmatratze allemal
besser.
Über das elastische Verhalten der Kaltschaummatratzen
wird in den Publikationen ein Superlativ an den anderen gereiht, aber wie denn
nun das optimale elastische Verhalten einer Matratze sein soll und ob es dieses überhaupt
geben kann, darüber wird kein Gedanke verschwendet. Persil bleibt Persil
und weißer geht´s nicht.
Also dann – kaufen Sie Kaltschaum, wenn es Sie glücklich macht.
Genaueres zur Herstellung von Kaltschaum im Unterschied zum Standardschaum finden
Sie im Glossar unter Kaltschaum.
* Unter Stauchhärte versteht
man den auf eine Fläche wirkenden Druck der nach DIN 53 577 notwendig ist,
um den Schaum um 40 % zusammenzudrücken.
Notiz vom April 2005
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